Clemens sprach am Sonntag darüber, dass wir dazu berufen sind Gemeinschaft zu leben und ein Leib zu sein – so wie Paulus das in seinem Brief an die Korinther geschrieben hat. Ich muss gestehen, dass ich das Beispiel, dass Gott uns als ein Leib geschaffen hat, schon oft gehört habe. Viele Glieder, jeder hat seine Aufgabe, ohne den anderen geht es nicht – irgendwie kam das schon in vielen Predigten vor. Geht es dir auch so? Ich hab mich oft gefragt welcher Teil vom Körper ich wohl wäre. Oder bin. Aber dazu später mehr. Denn zuerst geht es vor allem darum zu verstehen, dass jeder von uns ausgesucht ist zu dieser Gemeinschaft zu gehören. Es geht um dich. Um deine Einzigartigkeit, mitten in diesem großen Ganzen. Paulus malt in seinem Brief an die Korinther ein ziemlich genaues Bild von Gemeinschaft in Gemeinde. Und ehrlich gesagt klingt das ganz schön gut. Auch wenn das einige Herausforderungen mit sich bringt. Denn an kaum einem anderen Ort treffen so viele unterschiedliche Persönlichkeiten, Meinungen und Stilrichtungen aufeinander wie in einer Gemeinde. Dabei ist es egal wie groß oder klein sie ist – irgendeiner steht immer auf den falschen Fußballverein ;). Und gerade weil Gemeinde so unterschiedlich ist, stellt sich die Frage, wie wir zu dieser Gemeinschaft werden können:

– Werde dir bewusst, dass du nicht ausgesucht hast wer dazu gehört, sondern DU ausgewählt wurdest . Das ist wie mit Familie. Die sucht man sich ja auch nicht aus. Gott sucht aus. Und das ist gut. Erkenne das an!
– Du bist besonders. Deine Gaben sind besonders. Vergleiche dich nicht! Die Gemeinschaft braucht dich so einzigartig wie Gott dich geschaffen hat!
– Achte auf den Anderen. Nimm dein Umfeld wahr.
– Geht sorgsam und liebevoll miteinander um. Unterstell deinem Gegenüber, dass er es gut mit dir meint. Das verändert deinen Blickwinkel und deine Einstellung.
– Sei bereit für Vergebung und selbst um Entschuldigung zu bitten. In Gemeinschaft entstehen immer wieder Verletzungen und Spannungen. Das ist ganz normal. Aber Jesus hat den Weg für Vergebung frei gemacht. Halte nicht fest an dem was dich verletzt hat!
– Beschäftige dich mit anderen und warte nicht darauf, dass sich jemand mit dir beschäftigt. Fang an auf andere Menschen zuzugehen anstatt unzufrieden sitzen zu bleiben, weil dich niemand anspricht. Frag sie wie ihre Woche war. Frag sie was sie im Gottesdienst erlebt haben oder was sie beschäftigt. Und schon bist du mitten drin in Gemeinschaft!
– Jesus ist der Körper. ER ist der entscheidende Faktor. Sein Wunsch ist, dass wir zusammen gehören. Das ist nicht einfach der Wunsch einer einzelnen Gemeinde, sondern der Wunsch von IHM. Er ist der Kopf. Und das ist total ermutigend. Denn er steht nicht einfach nur daneben. Stattdessen hört er zu. Wenn wir leiden, leidet er mit. Wenn wir Verletzungen erleben, erlebt er sie mit. Dabei ist er nicht anklagend oder anprangernd, sondern mitfühlend.

Bleibt die Frage, ob und in welchem Umfang du Gemeinschaft erleben willst. Gemeinschaft leben bedeutet immer sich auf das Gegenüber einzulassen, sich verletzlich zu machen. Ich stehe oft in Beziehungen zu anderen Menschen vor der Frage, ob ich mich verletzbar machen will. Denn das birgt immer die Gefahr von Verletzung und Leid. Aber ich weiß auch, dass wir nur dann Erfolge miteinander feiern, Herausforderungen miteinander teilen und Schwierigkeiten gemeinsam durchleben können, wenn wir das Risiko eingehen. Ich will Angst keinen Raum geben mich von etwas abzuhalten, das richtig, richtig gut werden kann. Daran muss ich mich jedes Mal neu erinnern. Und ich erinnere mich daran wie oft die Sorge oder Angst vor Verletzung, wenn ich mich verletzlich mache, berechtig war. Und das ist selten der Fall – noch ein Grund mehr das Risiko immer wieder einzugehen. Nur so kann ich Freundschaften, Beziehungen, echte Gemeinschaft, erleben. Zum Schluss: ich weiß nicht welcher Teil des Körpers du in dem Bild von Paulus bist. Und ich weiß auch nicht was besser wäre. Aber ich kann dir sagen was du ausschließen kannst: den Blinddarm! Denn der hat ja (so sagt es dir jeder Arzt bei einer Blinddarmentzündung) eh keinen Nutzen. Und das gibts bei diesem Gemeinschaft- Gemeinde-Körper, der aus jedem einzelnen Teil der Gemeinde besteht, nicht. Versprochen! Wo willst du Gemeinschaft erleben? Wo wünscht du dir echte, tiefe Beziehungen? Welches Risiko wirst du in dieser Woche eingehen, um dein Herz zu teilen?